Deutsche Verleger sehen Apples neuen Abo-Dienst kritisch


Die Zeitschriftenbranche in Deutschland reagiert eher ablehnend auf Apples neuen Abo-Dienst für Nachrichten. „Apple will sich als Mittelsmann zwischen die Verlage und die Leser schieben“, kritisierte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). „Der Kundenkontakt wird indirekt, die Daten bleiben bei Apple, die Markenangebote werden atomisiert, und 50 Prozent vom Umsatz sind wohl abzugeben“, sagte Scherzer. „Das mutet fast absurd an.“

Apple hatte den neuen Abo-Dienst namens „Apple News Plus“ vor kurzem angekündigt. In den USA und Kanada sollen unter anderem Inhalte von rund 300 Magazinen verfügbar sein. Das Angebot per App kostet 9,99 Dollar pro Monat. Noch in diesem Jahr soll der Dienst in Großbritannien und Australien verfügbar sein. Wann der Service nach Deutschland kommen wird, hat Apple bislang nicht gesagt. Es gibt auch keine Bestätigung dafür, ob Apple tatsächlich die Hälfte der Einnahmen für sich beansprucht.

„Apple News Plus“ war auch bei der Branchenveranstaltung Digital Innovators Summit ein Thema. Bei einer Live-Umfrage unter den mehr als 450 Besuchern aus 40 Ländern sei nicht eine Hand hochgegangen, als gefragt wurde, ob Apples neuer Service gut für die Medienbranche sei und signifikante Chancen für die Verlage biete, so Scherzer.

Beziehung zum Kunden geht verloren

Ähnlich kritisch bewertet der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) den Abo-Dienst: „Das Geschäftsmodell von Apple ist aus unserer Sicht für Verlagsunternehmen nicht besonders attraktiv“, teilte der BDZV mit. „50 Prozent vom Umsatz für Apple ist extrem hoch gegriffen. Auch verlieren die Verlage ihre direkte Beziehung zum Kunden/Nutzer, diese wird künftig von Apple wahrgenommen.“

Es sei bezeichnend, dass „New York Times“ und „Washington Post“ mit ihrem starken individuellen Digitalabo-Geschäft nicht zu den Titeln in Apples Abo-Angebot zählten. „Da fehlen also zwei für viele Zeitungsnutzer besonders attraktive Leuchttürme im App-Kiosk.“ Ganz grundsätzlich müsse die Frage gestellt werden, wie Hunderte oder in den USA Tausende Redaktionen ihre personal- und technikaufwendige Arbeit künftig finanzieren sollten, wenn eine Flatrate von gerade einmal 9,99 Dollar im Monat für alle ausreichen solle.

25.04.2019, 12:15
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