Forscher: Fake News lassen sich an Netzwerkstruktur erkennen


Fake News lassen sich allein an der Struktur der User-Interaktionen erkennen. Wie der israelische Physiker und Netzwerkforscher Shlomo Havlin sagte, könne "ohne Kenntnis des Textes nur durch Analyse der Netzwerkstruktur mit hoher Genauigkeit zwischen Fake und Real News unterschieden werden“, erklärte Havlin, einer der meistzitierten Forscher Israels, kürzlich in Wien. 

Anhand von Daten aus China und Japan konnte Havlin gemeinsam mit chinesischen und japanischen Forschern zeigen, dass sich die Struktur des Fake News-Netzwerks – also wie Menschen Fake News teilen, kopieren und damit interagieren – stark von jenen Netzwerken unterscheidet, in denen mit anderen Themen interagiert wird. "Bereits rund 100 Minuten nachdem eine Fake News kopiert und geteilt wurde, lassen sich große Unterschiede feststellen", sagte der theoretische Physiker von der Bar-Ilan Universität in Tel Aviv (Israel) über seine Arbeit, die seinen Angaben zufolge bald publiziert wird. 

Es ist die zweite Arbeit binnen kurzer Zeit, in der sich der 75-Jährige dem Phänomen "Fake News" aus Netzwerk-Sicht genähert hat. Im Sommer hat er gemeinsam mit der venezianischen Komplexitätsforscherin Fabiana Zollo in einer im Journal "Plos One" veröffentlichten Arbeit gezeigt, dass systematisches Aufdecken von Pseudowissenschaft, Verschwörungstheorien oder Fake News in sozialen Netzwerken nicht wirkt, ja sogar kontraproduktiv ist. Solche Einwände würden ignoriert, gleichzeitig steige danach die Aktivität in der entsprechenden Echokammer. 

Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Havlin mit der Stabilität komplexer Systeme und Netzwerke wie dem Internet, dem Klima, Verkehr oder dem Städtewachstum sowie der zunehmenden Anfälligkeit von voneinander abhängigen Netzwerken.

19.12.2017, 12:52
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