Deutsche misstrauen sozialen Medien mehr als klassischen Medien


Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist überzeugt, durch Fake News könnten Wahlen beeinflusst werden. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov stimmten 44 Prozent dieser Aussage "voll und ganz" und 40 Prozent "eher" zu (9 Prozent "eher nicht", 2 Prozent "ganz und gar nicht").

Dass dadurch einzelne Personen diskriminiert werden können, sehen 58 Prozent "voll und ganz" so, 32 Prozent stimmen dem "eher" zu (5 Prozent "eher nicht", 1 Prozent "ganz und gar nicht“). Grundsätzlich sind Fake News, absichtlich veröffentlichte Falschinformationen, den meisten ein vertrauter Begriff: 87 Prozent der Befragten gaben an zu wissen, was er bedeute. Prof. Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, mahnt allerdings, mit solchen Daten vorsichtig umzugehen: "Dieser hohe Wert spiegelt wider, dass wir alle eine Vorstellung von Fake News haben, aber es ist hochwahrscheinlich, dass wir ganz Unterschiedliches darunter verstehen."

Mittlerweile sei in dem Topf "Fake News" vieles drin. "Sowohl die berechtigte Skepsis gegenüber Medien, komplexe Realität angemessen darzustellen, als auch die gezielte Falschmeldung und der Spaß-Fake, der in Social Media eine große Rolle spielt.“ Von Zeitungen, Radio und Fernsehen glaubt nur eine Minderheit der Befragten, dass diese gezielt falsche Nachrichten veröffentlichen. So stimmten 13 Prozent dieser Aussage "voll und ganz" und 26 Prozent "eher" zu. 36 Prozent antworteten "eher nicht", 16 Prozent "ganz und gar nicht“.

Großteil der Menschen weiß Journalismus zu schätzen
Deutlich anders sieht es mit dem Vertrauen in soziale Netzwerke aus: Der Aussage, dort würden Fake News verbreitet, stimmten 50 Prozent der Befragten "voll und ganz" und 37 Prozent "eher" zu. "Wenn man sich vorstellt, dass es ein Hauptanliegen von Journalismus ist, zu verhindern, dass sich Fake News verbreiten, dann ist das schon eine ziemliche Watsche, wenn 13 Prozent "voll und ganz" zustimmen, dass traditionelle Medien daran beteiligt sind", sagte Hasebrink. "Aber es stimmt, dass es da schon noch einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Kategorien gibt. Ein Großteil der Menschen in Deutschland weiß Journalismus zu schätzen."

Daran änderten auch die jüngsten Entwicklungen nichts, sagte Hasebrink. "Man mag sich ärgern über als tendenziös oder einseitig empfundene Beiträge, die meisten Menschen haben aber mindestens ein journalistisches Medium, dem sie vertrauen und das sie entsprechend nutzen - und von dem sie andere Leistungen erwarten als von sozialen Medien."
30.03.2017, 13:08
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