Verleger beklagen staatlichen Eingriff bei Presse


Die deutschen Zeitungsverleger haben auf ihrem Jahreskongress in Stuttgart einen "staatlichen Eingriff in den freien Lokal- und Regionaljournalismus" kritisiert. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Mathias Döpfner, beklagte, dass mit Steuermitteln zum Beispiel Amtsblätter finanziert würden, die lokalen und regionalen Zeitungen inhaltlich Konkurrenz machten. Da sei "eine Grenze überschritten".  

Es brauche die Vielfalt der privaten Angebote, meinte der Chef des Axel-Springer-Verlags. Der BDZV wolle dagegen ebenso vorgehen wie gegen städtische Online-Angebote und die News-Apps einiger Stadtwerke, die wie publizistische Angebote aufgebaut seien. Döpfner kritisierte außerdem, dass auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Zeitungen Konkurrenz mache: "Wir erleben im Netz nach wie vor eine mit öffentlich-rechtlichen Geldern finanzierte Flut textbasierter Gratis-Angebote, nichts anderes als eine gebührenfinanzierte digitale Staats-Presse, die den Wettbewerb verzerrt und uns Presseverlagen kaum Entfaltungsmöglichkeiten lässt." Einige Mitgliedsverlage würden deshalb einzelne Landesrundfunkanstalten wegen textlastiger und presseähnlicher Online-Angebote verklagen. 

„Wir haben einen Auftrag"

Bei einer Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beim Kongress wies der Justiziar beim Südwestrundfunk, Hermann Eicher, die Vorwürfe zurück. Die Angebote seien kein Problem für Verlage. "Wir haben kein Geschäftsmodell, wir haben einen Auftrag", sagte Eicher. Er kritisierte Äußerungen von EU-Kommissar Günther Oettinger in der "Stuttgarter Zeitung", der die Angebote als "unfair gegenüber den vollständig privat finanzierten Zeitungshäusern" bezeichnet hatte. Die Verlage beklagen seit Jahren wirtschaftliche Einbußen durch Auflagenverluste und ein Abwandern von Werbung ins Internet. 

Döpfner rief die Verlage dazu auf, trotz aller Sparzwänge weiter in kritische Reporter zu investieren. Verlässliche Fakten und exklusive News seien ein "begehrtes Gut", die Zeiten für unabhängigen Journalismus wegen der vielen Falschmeldungen im Internet so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Verlage müssten daher in digitale Vertriebsformen, in neue Technologien und in die Modernisierung von Arbeitsabläufen investieren. Gespart werden dürfe aber nicht bei investigativen Recherchen und nötigen Reisen, mahnte Döpfner. "Nur wenn wir angriffslustig und selbstbewusst sind, können wir gewinnen", sagte der 54-Jährige in seinem Appell an die Verlage.
18.12.2017, 14:54
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